Die Geschichte des KINO LAUPEN

Bestimmt wäre Lucretia Herren, die einstige Initiantin des Kino Laupen erstaunt über die heutige Kinobranche, die lustigen Brillen auf den Nasen ihrer Kinobesucher und über die neuen Maschinen mit 100‘000 Knöpfen. Vergeblich würde sie im Operateur-Chämmerli nach den grossen Rollen mit den aufgewickelten 35mm Filmen suchen…

 Wie alles begann: Lucretia Herren

…als Lucretia Herren am 27. September 1952 das «Lichtspieltheater Hirschen» eröffnete, hätte wohl  niemand gedacht, dass auch heute die Kino Fassade noch praktisch gleich aussieht wie damals. Und trotzdem steckt hinter den dicken Backsteinmauern eine Geschichte, die so unverwechselbar ist, wie die ihrer damaligen Gründerin und Inhaberin selbst. Lucretia Herren machte sich in ihrer 29-jährigen Geschäftstätigkeit nicht nur selbst, sondern auch ihrem Nachnamen alle Ehren. Im wahrsten Sinne des Wortes war sie den Männern der damaligen Zeit keineswegs unterlegen und hatte die Hosen an. Eine Frau, die für ihre Zeit und ein Städtli wie Laupen eher unkonventionell war. Willensstark, energiegeladen, temperamentvoll und mit viel Kreativität nahm sie alle Hürden und machte sich als Kino Müeti einen Namen, der ihr noch heute nachhallt. Sie zog Generationen in den Bann der wun-derbaren Filmwelt.

Die Nachkriegszeit: Vom Heimatfilm bis zum Fernseher

Die Eröffnung des Kinos im Jahr 1952 war ein voller Erfolg. Besonders in der Nachkriegszeit boten Filme Abwechslung und zauberten ein Lächeln auf die Lippen der Kinobesucher in den Wirren des schwierigen Alltags. Auf eine glatte, weisse Wand wurden Streifen wie «Fox tönende Wochenschau», «Ben Hur», «10 Gebote» und «West Side Story» projiziert. Bis zu drei verschiedene Filme waren schon damals pro Woche angesagt. Am Sonntagabend gab es sogar eine Kinovorstellung für die italienischen Gastarbeiter. Vor allem aber der beliebte Heimatfilm zog Scharen von Leuten an.

230 Sitze (heute sind es noch 122) standen dichtgedrängt in engen Reihen und dabei war jeder einzelne Platz besetzt. Der Beginn der 50er Jahre war die Zeit des Aufschwungs und davon hat am Anfang auch Lucretia Herren profitiert.

Aber nicht nur ihr ging es gut! Ganz generell hob sich der Lebensstandard massiv an – die Welt erholte sich vom Krieg. Die Leute konnten sich nun Träume erfüllen, welche früher nur der Ober-schicht zustanden: Telefone, Waschmaschinen und auch der grösste Kinofeind, der Fernseher, nahmen Einzug in den Alltag der damaligen Gesellschaft.